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Einleitung
,,Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens"Geborenwerden und sterben, voraus- und zurückblicken, den Lebensverlauf erfahren und im Augenblick sein: Menschliches Leben ist wesentlich durch Zeitlichkeit gekennzeichnet. Was macht dabei ein gutes Leben aus und wie lässt es sich gestalten? Diese Frage hat besondere Aktualität in Anbetracht neuer medizinischer Möglichkeiten und ihres Einflusses auf ehemals starre zeitliche Ordnungen: Neue Gestaltungsräume eröffnen sich etwa im Bereich der Fortpflanzungsmedizin, der Behandlung von chronischen Krankheiten und der medizinischen Begleitung von Altern und Sterben.
Die interdisziplinäre Forschungsgruppe FOR 5022 untersucht diese Thematik im engen Austausch zwischen Philosophie, Medizin, Medizinethik, Sozial-, Kultur- und Gesundheitswissenschaften. In der ersten Förderperiode (Mai 2021 – April 2025) stand zunächst die biographische Zeitlichkeit des Individuums im Vordergrund. Anhand von drei Praxisfeldern haben wir das Zusammenspiel von Medizin und den zeitlichen Aspekten guten Lebens in verschiedenen Lebensphasen untersucht: erstens im Zusammenhang der Behandlung chronisch Herzkranker im jungen und mittleren Erwachsenenalter, zweitens im Kontext der Fortpflanzungsmedizin im mittleren Lebensalter und drittens im Bereich der Gesundheitsversorgung älterer Menschen.
In der zweiten Förderperiode (Mai 2025 – April 2029) erweitert sich die Forschungsfragestellung unserer Forschungsgruppe vom individuellen Lebenslauf hin zur Bezugnahme auf überindividuelle Zeitstrukturen. Mit dem Schwerpunkt der Generativität wird thematisiert, inwiefern es für ein gutes Leben relevant ist, sich auch über die eigene Lebenszeit hinaus zu orientieren, etwa mit Hinblick auf die eigenen Nachkommen oder Formen der Weitergabe an künftige Generationen im Allgemeinen.
Die vorliegende Sammlung greift einige Begriffe heraus, um blitzlichtartig kleine Einblicke in das Themengebiet unserer Forschung zu geben. Die Beiträge von Mitgliedern unserer Forschungsgruppe stellen keine erschöpfenden Abhandlungen über das jeweilige Thema dar, sondern geben einen persönlich gefärbten kurzen Impuls, der zum Weiterdenken oder zum Aus tausch mit anderen anregen soll. Die Auswahl der Begriffe ist weder vollständig noch abgeschlossen, sondern soll vielmehr durch ihre Vielfältigkeit einen Eindruck von der thematischen Bandbreite vermitteln, die beim Nachdenken über Zeit, Medizin und gutes Leben in den Blick rückt.