Gutes Leben und Generativität
Das philosophische Teilprojekt widmet sich der philosophischen Grundlagenreflexion auf das Rahmenthema der FOR.
Nachdem das Teilprojekt in der ersten Förderperiode den Zusammenhang zwischen der Zeitlichkeit des Lebens und seinem Gelingen sowohl aus analytischer als auch aus phänomenologisch-existenzphilosophischer Perspektive durchleuchtet hat, soll in der zweiten Förderperiode unter der gleichen Doppelperspektive untersucht werden, ob und in welcher Weise Menschen für ihr eigenes gutes Leben auf Projekte und Beziehungen angewiesen sind, die ihr eigenes Leben transzendieren und in der Zukunft von anderen Menschen weitergeführt oder transformiert werden können. Dabei soll auch mitbedacht werden, wie sich solche prospektiven Bezüge, die unter einen weiten Begriff der Generativität gefasst werden, auf den Umgang mit der eigenen Vergangenheit und das Verhältnis zu vorangegangenen Generationen auswirken können.
Das Projekt gliedert sich in zwei gleichrangige, parallel verfahrende und miteinander verzahnte Unterprojekte: (a) Ausgehend von der vorherrschenden Ansicht, dass für das gute Leben der Einzelnen nur relevant sei, was in ihre Lebensspanne fällt, befragt der Projektleiter der ersten Förderperiode, Holmer Steinfath, aus analytisch-ethischer Perspektive subjektivistische und objektivistische Positionen des guten Lebens auf ihr Vermögen, zu dem Verständnis der Bedeutsamkeit dessen, was vor unserer Geburt und insbesondere was nach unserem Tod geschieht, beizutragen. (b) Die Post-Doktorandin der ersten Förderperiode, Anne Clausen, die in der zweiten Förderperiode zusammen mit Holmer Steinfath die Projektleitung übernehmen wird, entwickelt unter Rückgriff auf phänomenologische und existenzphilosophische Ansätze eine eigenständige philosophische Konzeption der Generativität. Sie fokussiert dabei auf die existenzielle Bedeutung der Geburt, die Asymmetrie in intergenerationellen Beziehungen und das temporale Selbstverhältnis des generativen Individuums.
Wie auch schon in der ersten Förderperiode sollen die gewonnenen Einsichten einerseits dem besseren Verständnis möglicher Wechselbeziehungen zwischen medizinischen Innovationen und dem Umgang mit der eigenen Lebenszeit dienen, andererseits aber auch selbst an Beobachtungen zu den drei medizinischen Praxisfeldern, von denen die FOR exemplarisch ausgeht, geschärft, modifiziert und ggf. revidiert werden.
Das Teilprojekt ist verortet am Philosophischen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen.
Projektleiter:innen:
Prof. Dr. Holmer Steinfath
Dr. Anne Clausen
Studentische Hilfskraft:
Felix Linn