Bruchlinien der Generativität: Eine Analyse generativer Zukunft bei Infertilität, Schwangerschaftsverlust und Schwangerschaftsabbruch in Anschluss an die Narrative Bioethik

Im Teilprojekt zur Ethik der Reproduktionsmedizin sollen mit Infertilität, Schwangerschaftsverlust und Schwangerschaftsabbruch Modi der Nicht-Reproduktion in den Blick genommen werden. Es wird untersucht, inwiefern diese Modi als Formen von Verlust und Verzicht im Hinblick auf eine generative Zukunft erzählt und im Horizont der Frage nach dem guten Leben in der Zeit reflektiert werden. Der Fokus auf subjektive Erfahrungen der Disruption von Generativität ergänzt zeitgenössische Debatten in der Ethik der Reproduktionsmedizin um einen wichtigen Aspekt. Er ermöglicht zudem eine spezifische Reflektion des Konzeptes der Generativität. So stellen sich bei biologischer, sozialer und krankheitsbedingter Infertilität Fragen des Verlustes einer individuellen generativen Zukunft oder des Verzichts auf sie, die unterschiedlich beantwortet werden können. Schwangerschaftsverluste markieren einen Bruch mit einer angenommenen teleologischen Zeitstruktur der Schwangerschaft und bedeuten den Verlust einer antizipierten Zukunft. Dem Schwangerschaftsabbruch gehen die Reflektion und Entscheidung über die Realisierung einer Zukunft mit diesem konkreten Kind voraus, auf die verzichtet wird. Das Teilprojekt geht hermeneutisch-narrativ vor und wird im Anschluss an Ansätze der Narrativen Bioethik Erzählungen von Infertilität, Schwangerschaftsverlust und Schwangerschaftsabbruch in Literatur, Film und Fernsehen im Hinblick auf die Bedeutung einer generativen Zukunft für ein gutes Leben in der Zeit prüfen und auf Ambivalenzen und Gegenerzählungen hin untersuchen. Der theoretische und methodische Rekurs auf die Narrative Bioethik eröffnet dabei die Möglichkeit, die Vielfalt von Erfahrungen von Verlust und Verzicht zu beschreiben, begrifflich zu fassen sowie für die ethische Debatte anschlussfähig zu machen. Das Teilprojekt zielt schließlich auch auf eine kritische Analyse der Potentiale und Grenzen eines narrativen Ansatzes für die Medizin- und Bioethik sowie auf eine Stärkung ethischer Fragen im Forschungsfeld der Medical Humanities.
Das Teilprojekt ist verortet am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin.
Projektleiterin:
Dr. phil. Isabella Marcinski-Michel
Isabella Marcinski-Michel, Pauline Reichenberger, Claudia Wiesemann (2025): Behinderung, Fortpflanzungsfreiheit und Konzepte guten Lebens. Online verfügbar unter https://praefaktisch.de/002e/behinderung-fortpflanzungsfreiheit-und-konzepte-guten-lebens/.
King, Vera; Lodtka, Pia; Marcinski-Michel, Isabella; Schreiber, Julia; Wiesemann, Claudia (2023): Reproduktives Timing. Neue Formen und Ambivalenzen zeitlicher Optimierung von Fortpflanzung und ihre ethischen Herausforderungen. In: Ethik Med 35 (1), S. 43–56. DOI: 10.1007/s00481-022 00738-2.
Marcinski-Michel, Isabella (2025): Schwangerschaftsverlust in der Ethik der Reproduktion(smedizin). In: Christian Hißnauer und Claudia Stockinger (Hg.): Narrativität und Medizin: transcript Verlag, S. 135–146.
Marcinski-Michel, Isabella (2024): Feministische Perspektiven auf Philosophien des guten Lebens. In: Sonja Deppe, Anne Clausen, Isabella Marcinski-Michel, Mark Schweda und Claudia Wiesemann (Hg.): Handbuch Medizin und Lebenszeit. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg, S. 1–7.
Marcinski-Michel, Isabella; Wiesemann, Claudia (2025): Elternschaft und reproduktive Gerechtigkeit in Philosophien des Guten Lebens. In: ZfPP 12 (1). DOI: 10.22613/zfpp/12.1.4.
Marcinski-Michel, Isabella; Wiesemann, Claudia (2022): Fortpflanzung, Zeit und gutes Leben. Eine Analyse von Richtlinien und Stellungnahmen zur Reproduktionsmedizin. In: Bioethica Forum 15 (01). DOI: 10.24894/BF.2022.15002.
Pietschmann, Ines; Wiesemann, Claudia (2024): Ethische Aspekte fertilitätserhaltender Maßnahmen bei jungen krebskranken Personen. In: Onkologie 30 (1), S. 48–53. DOI: 10.1007/s00761-023-01421-x.
Wiesemann, Claudia (2025): Das gute Leben der Kinder und das Recht auf eine offene Zukunft. In: ZEMO 8 (2), S. 531–539. DOI: 10.1007/s42048-025-00236-2.
Wiesemann, Claudia (2024): Kindheit und gutes Leben. In: Sonja Deppe, Anne Clausen, Isabella Marcinski-Michel, Mark Schweda und Claudia Wiesema
Wiesemann, Claudia (2024): Fortpflanzung, Medizin und Zeiterleben. In: Sonja Deppe, Anne Clausen, Isabella Marcinski-Michel, Mark Schweda und Claudia Wiesemann (Hg.): Handbuch Medizin und Lebenszeit. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg, S. 1–6.
09/2026: „Zeiterfahrungen bei Schwangerschaftsverlust – Zur ethischen Bedeutsamkeit literarischer Narrationen“, AEM-Jahrestagung 2026, Oldenburg, Präsenz
07/2026: „Zeiterfahrungen im Schwangerschaftsverlust“, Retreat der DFG-Forschungsgruppe „Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens“, Goslar, Präsenz
06/2026: „Schwangerschaftsabbruch in der Narrativen Bioethik. Eine kritische (vorläufige) Bestandsaufnahme“; Jahrestreffen der AEM-AG „Feministische Perspektiven in der Medizin- und Bioethik“, Hannover, Präsenz
05/2026: „Abortion Narratives in German Film and Television: Ethical Perspectives on Generativity and the Good Life”, Zusammen mit Christian Hißnauer, Abortion Narrative Conference, Odense (Dänemark), Präsenz
11/2025: „Formen des Verlustes und Diskontinuitäten in der reproduktionsmedizinischen Behandlung: Überlegungen aus der Narrativen Bioethik“, URPP Human Reproduction Reloaded | H2R, Universität Zürich, Online
11/2025: „Bruchlinien der Generativität“, Institutskolloquium, Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Universitätsmedizin Charité Berlin
09/2025: „Disruptionen in der reproduktionsmedizinischen Behandlung: Perspektiven aus der Narrativen Bioethik“, AEM-Jahrestagung, München
04/2025: „Reproductive Healthcare, Time, and the Good Life”, Zusammen mit Claudia Wiesemann, Abschlusskonferenz der DFG-Forschungsgruppe 5022: Medizin - Zeit - das Gute Leben / Medicine - Time - the Good Life, Göttingen
05/2024: „Verlust - Kontingenz und Diskontinuität in philosophischen Perspektiven auf Schwangerschaft und Geburt“, Konferenz: Gutes Leben in der Zeit, Göttingen
04/2024: „Intersektionale Perspektiven auf die Ethik der Reproduktionsmedizin im Kontext reproduktiver Gerechtigkeit“, Zusammen mit Merle Weßel, AEM-Frühjahrstagung, Online
01/2024: „Fragen einer generativen Zukunft in Erfahrungen der Nicht-Reproduktion. Eine Analyse im Anschluss an die Narrative Bioethik“, AEM-Arbeitsgruppe „Feministische Perspektiven in der Bio- und Medizinethik“, Online
01/2024: „Perspektiven der Narrativen Bioethik für Erfahrungen von Zeitlichkeit und Verlust in der Reproduktion(smedizin)“, Workshop: Narrativität. Interdisziplinäre Zugänge, Humboldt Universität zu Berlin, Online
11/2023: „Zeit und Verlust: Fehlgeburten in einer Philosophie und Ethik der Schwangerschaft“, Ethics@Lunch, Institut für Ethik und Geschichte Der Gesundheit in der Gesellschaft, Universität Augsburg, Online
O7/2023: „Fragen der Reproduktion in objektivistischen Theorien des guten Lebens“, Forschungskolloquium, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Göttingen
12/2021: "Ethik der Reproduktionsmedizin und die Frage nach der Zeitlichkeit guten Lebens", Journal Club, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Göttingen
11/2021: „Intersektionale Perspektiven auf die Reproduktionsmedizin“, JMED-Nachwuchskolloquium „Diversität in der Medizinethik“, Online
11/2021: "Zeitlichkeit und gutes Leben in der Ethik der Reproduktionsmedizin", AEM-AG „Ethik am Lebensanfang“, Online
09/2021: „Eine feministische Phänomenologie der Schwangerschaft und ihre Relevanz für die Medizinethik“, AEM-Jahrestagung „Die Zukunft der Menschlichkeit im Gesundheitswesen“, Online
05/2021: „Eine Phänomenologie der Essstörungen und ihre ethischen Implikationen“, Vortragsreihe „Phänomenologie und Psychotherapie“, Universitätsmedizin Heidelberg, Online
05/2021: „Simone de Beauvoir und eine feministische Phänomenologie von Schwangerschaft und Geburt“, Online Kurzvortragsreihe „Feministische Philosophie“, Leuphana Universität Lüneburg