Soziales Engagement als generativer Akt und Beitrag zum guten Leben im Alter – allgemeinmedizinische Unterstützung durch Social Prescribing

Das empirische Teilprojekt 6 (TP6) untersuchte in der ersten Förderperiode der Forschungsgruppe (FOR 5022) das Verhältnis von Medizin und der Zeitstruktur guten Lebens aus der Perspektive alter Menschen (ab 75 Jahre) sowie ihrer ärztlichen und pflegerischen Versorgenden. Eine zentrale Bedeutung kam dabei der sozialen Einbindung im Sinne von Gebrauchtwerden zu, sei es als wichtige Ressource im Hintergrund medizinischer Versorgung oder auch als Quelle von Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit im Alter generell und damit als Aspekt guten Lebens. Als spezifische Möglichkeiten hierfür erwiesen sich verschiedene Arten des sozialen Engagements, die durch das Teilprojekt in der zweiten Förderperiode (TP-E) aufgegriffen und weiter untersucht werden. Dabei liegt der Fokus auf sozialem Engagement als einer Form von Generativität im Alter sowie seinem potenziellen Einfluss auf die Gesundheit und ein gutes Leben. Dies durch allgemeinmedizinische Versorgung zu fördern, wird im Versorgungsansatz des Social Prescribing angestrebt, der in Deutschland bisher nicht in der Versorgung etabliert ist. Hierbei werden nicht-medikamentöse Interventionen zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden verschrieben, die auch verschiedene Ebenen von sozialem Engagement umfassen können. Ziel von TP-E ist es, die Bedeutung des sozialen Engagements als eines generativen Akts für ein gutes Leben im Alter zu untersuchen. Dabei werden auch die Zusammenhänge zwischen sozialem Engagement und Gesundheit sowie die Potentiale und Herausforderungen des Social Prescribing in der hausärztlichen Versorgung in den Blick genommen. Darauf aufbauend gilt es, einen Praxisleitfaden zum sozialen Engagement und der Gesundheitsförderung durch Social Prescribing zu entwickeln, der zur Identifikation geeigneter Patient:innen und eventueller Hürden für die Inanspruchnahme genutzt werden kann. In Fokusgruppendiskussionen sollen die Perspektiven der Betroffenen und der Versorgenden berücksichtigt werden, um praxisnahe Erkenntnisse für die Implementierung des Social Prescribing zu gewinnen. Diese sollen die theoretischen Erkenntnisse für die Fragestellungen der FOR 5022, die insbesondere von TP-A (Philosophie), TP-C (Psychokardiologie), TP-F (Ethik der Altersmedizin) und ZIP (Medizinethik) formuliert werden, ergänzen. Filmische Darstellungen von Sinnhaftigkeit und Generativität im Alter aus TP-B (Film/Fernsehen) dienen als Impulsgeber.
Das Teilprojekt ist verortet am Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.
Projektleiter:innen:
Prof. Dr. Eva Hummers
Dr. Evelyn Kleinert
Projektmitarbeiterin:
- Promoting well-being in later life - a qualitative analysis of focus groups and individual interviews with older adults in Germany
Kleinert, E.; Stange, L.; Broschmann, D.; Nebel, L.; Mohacsi, L. & Hummers, E. (2025)
BMC Primary Care, 26(1) art. 158.
DOI: https://doi.org/10.1186/s12875-025-02767-4.
Details DOI PMID PMC - Zeit in der allgemeinmedizinischen Versorgung älterer Menschen
Kleinert, E.; Mohacsi, L. & Hummers, E. (2025)
In: S. Deppe, A. Clausen, I. Marcinski-Michel, M. Schweda, C. Wiesemann (Eds.), Handbuch Medizin und Lebenszeit: Gutes Leben im Kontext neuer Chancen und Herausforderungen pp. 1-8.
Berlin, Heidelberg: Springer.
DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-68418-4_42-1.
Details DOI - Lebenszeit und Sterbehilfe
Mohacsi, L. & Simon, A. (2024)
In: S. Deppe, A. Clausen, I. Marcinski-Michel, M. Schweda, C. Wiesemann (Eds.), Handbuch Medizin und Lebenszeit.
Berlin: J.B. Metzler.
DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-68418-4_74-1.
Details DOI - A ‘good death’ needs good cooperation with health care professionals – a qualitative focus group study with seniors, physicians and nurses in Germany
Mohacsi, L.; Stange, L.; Höfig, S.; Nebel, L.; Broschmann, D.; Hummers, E. & Kleinert, E. (2024)
BMC Palliative Care, 23 art. 292.
DOI: https://doi.org/10.1186/s12904-024-01625-x.
Details DOI PMID PMC - Zu Hause sterben als Teil guten Lebens: Kommentar zum Fall: „Palliative Therapie am Wochenende durch den primären Rettungsdienst“
Mohacsi, L. & Kleinert, E. (2024)
Ethik in der Medizin, 36(4) pp. 609-612.
DOI: https://doi.org/10.1007/s00481-024-00842-5.
Details DOI - V-10-01 Bedeutung von Altersbildern in der medizinischen Versorgung hochaltriger Menschen
Höfig, S.; Mohacsi, L.; Stange, L. & Kleinert, E. (2024)
58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Würzburg.
Details - V-10-02 – Bedeutung der Allgemeinmedizin für ein gutes Leben im hohen Alter
Kleinert, E.; Höfig, S. & Mohacsi, L. (2024)
58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Würzburg.
Details - P-1-01 – Vorstellungen ‚guten Sterbens‘ von Ärzt*innen, Pflegekräften und Senior*innen
Mohacsi, L.; Höfig, S. & Kleinert, E. (2024)
58. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Würzburg.
Details - Die gesellschaftliche Notwendigkeit des selbstbestimmten Sterbens: Eine systemtheoretische Perspektive auf individualisierte Sterbeideale
Mohacsi, L.; Hummers, E. & Kleinert, E. (2023)
Zeitschrift für Praktische Philosophie, 10(1) pp. 307-332.
DOI: https://doi.org/10.22613/zfpp/10.1.13.
Details DOI - Zwischen Bagatellisierung und Pathologisierung: Gesundheitsversorgung im Alter und die Zeitstruktur guten Lebens
Schweda, M.; Hummers, E. & Kleinert, E. (2023)
Ethik in der Medizin, 35, pp. 77-91.
DOI: https://doi.org/10.1007/s00481-022-00742-6.
Details DOI - Medicine in older age—perception and assessment of ageing processes by older people and medical and nursing professionals: study protocol for a qualitative focus group design (FOR TiMed_Life)
Kleinert, E.; Mohacsi, L.; Heim, S. & Hummers, E. (2022)
BMC Health Services Research, 22(1) art. 1413.
DOI: https://doi.org/10.1186/s12913-022-08731-7.
Details DOI PMID PMC