Die Zeitstruktur guten Lebens und die Bedeutung generativer Perspektiven im Kontext der Altersmedizin
Im Anschluss an Ergebnisse der ersten Förderperiode wendet sich das Teilprojekt der Bedeutung intergenerationeller Bezüge für das Wechselverhältnis zwischen einem guten Leben im höheren Alter und den Möglichkeiten von Altersmedizin und Altenpflege zu. Dabei knüpfen wir an den entwicklungspsychologischen und gerontologischen Gedanken der Generativität an, mit dem gerade für das spätere Leben eine wachsende Relevanz von Perspektiven der Selbstüberschreitung sowie der Sorge um nachfolgende bzw. zukünftige Generationen betont wird. Auf dieser Grundlage gehen wir der Frage nach, wie generative Motive der Fürsorge, des Vermächtnisses oder der Verantwortungsübernahme für die Zukunft der Nachkommen und Nachfolgenden dem höheren Alter Sinnhorizonte eröffnen, die für die Bewertung medizinischer und pflegerischer Möglichkeiten in dieser Lebensphase von Belang sind, z.B. mit Blick auf die Inanspruchnahme medizinischer Ressourcen oder pflegerischer Unterstützung. Anknüpfend an die Debatte um Queer Temporalities und die Kritik an einer am Modell der biologischen Reproduktion und der Kontinuität von Genealogien und Generationen ausgerichteten heteronormativen Vorstellung von Zeitlichkeit soll dabei zugleich die Vielfalt von Zukunftsperspektiven im höheren Alter berücksichtigt werden, die auch andersartige, misslingende oder sogar verweigerte Generativität einschließen kann. Methodisch verknüpfen wir dabei im Sinne einer empirisch-hermeneutisch informierten Medizinethik strebensethische Analysen der zeitlichen Bedingungen guten Lebens im höheren Alter mit empirischen Erhebungen und medienkulturwissenschaftlichen Untersuchungen zur Bedeutung intergenerationeller Gesichtspunkte im Kontext von Altersmedizin und Altenpflege. Dabei kann sich das TP einerseits auf die philosophischen Überlegungen zu überindividuellen und insbesondere generativen Zeitperspektiven in TP-A (Philosophie) sowie zu Aspekten biographischer und generativer (Dis-)kontinuität im ZIP (Medizinethik) stützen, um sie mit Blick auf das höhere Lebensalter und altersmedizinische bzw. pflegerische Kontexte medizinethisch zu konkretisieren. Andererseits werten wir sowohl selbst erhobene qualitative Daten aus intergenerationellen Gruppendiskussionen als auch die einschlägigen empirischen und medienkulturwissenschaftlichen Erhebungen lebensweltlicher Narrationen bzw. medialer Narrative in TP-B (Film/Fernsehen), TP-C (Psychokardiologie) und TP-E (Allgemeinmedizin) unter medizinethischen Gesichtspunkten aus. Auf diese Weise sollen Erwägungen zur individuellen Zeitstruktur guten Lebens und Alterns im Kontext der modernen Medizin durch eine empirisch informierte ethische Betrachtungsweise ergänzt werden, die die Bedeutung überindividueller Sinnhorizonte und insbesondere intergenerationeller Bezüge im Kontext von Medizin und Gesundheitsversorgung besser zu berücksichtigen vermag.
Das Teilprojekt ist verortet in der Abteilung für Ethik in der Medizin am Departement für Versorgungsforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
Projektleiter:
Projektmitarbeiterin: