
Die DFG-Forschungsgruppe „Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens“ besteht aus sieben Teilprojekten verschiedener Fachdisziplinen, die an fünf Institutionen angebunden sind und unter der Sprecherschaft von Professor Mark Schweda von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg aus koordiniert werden. Der interdisziplinäre Austausch trägt in besonderer Weise zu unserer Forschungsarbeit bei.
Teilprojekt A (Philosophie)
„Gutes Leben und Generativität“
Georg-August-Universität Göttingen
Das philosophische Teilprojekt widmet sich der philosophischen Grundlagenreflexion auf die Themen der Zeit, des guten Lebens und der Generativität. In der aktuellen Förderperiode untersucht es, ob und in welcher Weise Menschen für ihr eigenes gutes Leben auf Projekte und Beziehungen angewiesen sind, die ihr eigenes Leben transzendieren und in der Zukunft von anderen Menschen weitergeführt oder transformiert werden können.
Teilprojekt B (Film/Fernsehen)
„Viele gute Leben? Televisuelle Verhandlungen von Generativität und Diversität im Kontext von Medizin, Zeitlichkeit und gutem Leben“
Humboldt-Universität Berlin
Das Teilprojekt fragt, wie sich die drei Praxisfelder der FOR unter Generativitäts-, Diversitäts- und Narrativitätsgesichtspunkten im Sinne einer popularisierten Medizin(-ethik) darstellen. Anhand von Filmen, Serien und Dokumentationen untersucht es in der zweiten Förderperiode mögliche (inter)generationelle und soziale Differenzen sowie die sich daraus ergebenden multiplen Zeitlichkeiten diesbezüglicher Vorstellungen und Narrative.
Teilprojekt C (Psychokardiologie)
„Kontinuitäten und zeitliche Brüche: Zeitaspekte guten Lebens von Herzkranken unter Gesichtspunkten von Generativität und Gender“
Universitätsmedizin Göttingen und Charité Berlin
Das psychokardiologische Projekt strebt ein vertieftes Verständnis guten Lebens in der Zeit bei Herzkranken an. Es fragt, welche Rolle Motive generativer Gabe und Weitergabe aus Sicht betroffener Personen unterschiedlichen Geschlechts und Lebensalters für ein gutes Leben spielen und wie sie sich angemessen in Lebensqualitätsinstrumenten erfassen lassen.
Teilprojekt D (Ethik der Reproduktionsmedizin)
„Bruchlinien der Generativität: Eine Analyse generativer Zukunft bei Infertilität, Schwangerschaftsverlust und Schwangerschaftsabbruch in Anschluss an die Narrative Bioethik“
Charité Berlin
In diesem Teilprojekt sollen mit Infertilität, Schwangerschaftsverlust und Schwangerschaftsabbruch Modi der Nicht-Reproduktion in den Blick genommen werden. Es wird untersucht, inwiefern diese Modi als Formen von Verlust und Verzicht im Hinblick auf eine generative Zukunft erzählt und im Horizont der Frage nach dem guten Leben in der Zeit reflektiert werden.
Teilprojekt E (Allgemeinmedizin)
„Soziales Engagement als generativer Akt und Beitrag zum guten Leben im Alter – allgemeinmedizinische Unterstützung durch Social Prescribing“
Universitätsmedizin Göttingen
Ziel des allgemeinmedizinischen Projektes ist es, die Bedeutung des sozialen Engagements als eines generativen Akts für ein gutes Leben im Alter zu untersuchen. Dabei werden auch die Zusammenhänge zwischen sozialem Engagement und Gesundheit sowie die Potentiale und Herausforderungen des Social Prescribing in der hausärztlichen Versorgung in den Blick genommen.
Teilprojekt F (Ethik der Altersmedizin)
„Die Zeitstruktur guten Lebens und die Bedeutung generativer Perspektiven im Kontext der Altersmedizin“
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Das Teilprojekt wendet sich der Bedeutung intergenerationeller Bezüge für das Wechselverhältnis zwischen einem guten Leben im höheren Alter und den Möglichkeiten von Altersmedizin und Altenpflege zu. Dabei knüpft es an den entwicklungspsychologischen und gerontologischen Gedanken der Generativität an, mit dem gerade für das spätere Leben eine wachsende Relevanz von Perspektiven der Selbstüberschreitung sowie der Sorge um nachfolgende bzw. zukünftige Generationen betont wird.
Zentral- und Intergrationsprojekt (Ethik in der Medizin)
„Die Relevanz biographischer und generativer (Dis-)Kontinuität für ein gutes Leben“
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Das Zentral- und Integrationsprojekt (ZIP) verfolgt das Anliegen, die in der FOR 5022 erworbenen Erkenntnisse zu einem übergreifenden Bild zeitlicher Strukturen guten Lebens im Kontext der Medizin zusammenzuführen. Der Fokus liegt dabei auf der Klärung der Rolle von Kontinuität und Diskontinuität für ein gutes Leben, welche sich in der Arbeit der Forschungsgruppe als zentrale Aspekte menschlicher Zeitlichkeit zeigen.